Wie ist das, wenn man nichts hört?

Wie ist das eigentlich, wenn man nichts oder nur schlecht hört? Da eine gehörlose Schülerin an unserer Schule unterrichtet wird, haben unsere Inklusionsbeauftragte, Frau Kalus, und Förderschullehrerin Britta Davids mit einer Klasse 5 ausprobiert, wie es sich anfühlt, wenn man nicht gut hören kann und auch, wie es ist, wenn man gehörlos ist.

Zuerst haben die Kinder zu zweit Übungen gemacht, bei denen der eine Partner einen Gehörschutz trägt und der andere Partner kurze Wörter vorliest, die sich ähnlich sind, wie z.B. Haus, raus, Maus, Laus. Die Schwierigkeit konnte erhöht werden, indem einmal langsam und in normaler Lautstärke vorgelesen wurde und danach leise und schnell. Wer wollte, konnte auch In-Ohr-Gehörschutz und Auf-Ohr-Gehörschutz zusammen anziehen, um wirklich nichts zu hören.

Bei einer zweiten Übung haben die hörenden Kinder den nicht-hörenden Anweisungen zu Bildern diktiert. Auch hier gab es viele gleich klingende Gegenstände, um den Kindern deutlich zu machen, wie schwierig es ist, das richtige Wort zu erkennen.

 

Während die hörenden Schülerinnen und Schüler die Erfahrung machten, wie es ist, nichts zu hören, hatte die gehörlose Schülerin die Aufgabe, typische – aber störende – Geräusche zu machen, die im Schulalltag auftreten. So sollte sie z.B. ganz oft mit einem Kugelschreiber klicken, Stühle rücken oder ihre Schultasche ein- und ausräumen.

 

Nach diesen Übungen erzählten die Kinder, welche Gefühle sie während der Übungen hatten. Sie berichteten darüber, sich unwohl oder unsicher gefühlt zu haben, einige waren genervt, frustriert und auch wütend. Ein Kind sagte, es habe sich ausgeschlossen gefühlt und ein anderes, die Situation sei schwer auszuhalten gewesen.

Frau Davids fragte auch, welche Strategien die Kinder denn angewendet hätten, um vielleicht doch zu verstehen, was gesagt wurde. Die Kinder berichteten, dass sie geraten haben, versucht haben, das Mund-Bild abzulesen, nachgefragt haben oder auch näher an den Gesprächspartner rangegangen sind. Hilfreich beim Verständnis waren Gestik und Mimik, lautes, langsames und deutliches Sprechen und vor allem Geduld.

Die Kinder konnten schließlich noch an einem großen Ohr-Modell nachvollziehen, wie Hörhilfen, wie z.B. ein Cochlear-Implantat, funktionieren.

Seit dieser Aktion, die viel Verständnis für die Probleme Gehörloser geweckt hat, lernt die Klasse fleißig grundlegende Gebärden, damit die Verständigung in Gebärdensprache ebenfalls eine Möglichkeit ist, miteinander zu kommunizieren, falls mal die Technik ausfällt. Pünktlich zu Beginn der Fußball-EM war Frau Davids nochmal da und hat den Schülerinnen und Schülern die Namen der deutschen Fußballspieler in Gebärdensprache beigebracht.

 

Wenn ihr also Kinder auf dem Schulhof gebärden seht, fragt doch einfach nach, was die Gebärde bedeutet – ihr wisst nie, wann euch dieses Wissen mal nützlich sein könnte.