Vendredi: Home Sweet Home

Da alle Zimmer bis 10 Uhr geräumt werden mussten, sind einige von uns um 7 Uhr aufgestanden und andere um zehn vor zehn. Obwohl Collin professionelle Anweisungen gab, wie alle Bettlaken eines Zimmers zu einem Bündel zusammengeknäult werden sollten, stellte es sich für einige als große Herausforderung dar.

Um 14 Uhr sollten wir eigentlich in unseren Bus einsteigen, der parkte leider wegen Parkplatzmangel und Berufsverkehr einen Kilometer vom Hostel entfernt. Es blieb uns nichts anderes übrig, als unsere sieben Sachen dorthin zu schleppen. Ein Schüler, dessen Namen nicht erwähnt wird, brach unter der Last seines Gepäcks zusammen; daraus hat er gleich zwei Lektionen gelernt: Erstens braucht man unbedingt einen Koffer mit Rollen; zweitens sollte man frühstücken, bevor man so eine sportliche Leistung erbringt!

Angeschnallt und startklar waren alle Zeugen einer heldenhaften Aktion, auf die sogar James Bond neidisch wäre: Einem wenig sozialen Einheimischen war es gelungen, unseren Busfahrer abzulenken und sein Handy durchs Fenster zu klauen. The Flash alias „Ingo der Busfahrer“ sprang aus dem Bus, verfolgte den auf einem Fahrrad fliehenden Dieb, riss ihn zu Boden und eroberte sein Handy zurück. Der Dieb kam leider nur mit einem heftigen Schock davon. Die ganze Aktion wurde zufällig Insta-mäßig mit der Dashcam aufgenommen.

Einmal losgefahren wurde der Bus regelrecht zu einer RTL2 Reality-Doku „Malle ist nur einmal im Jahr“. Aber dieser wildgewordene Haufen von schlecht jodelnden Party-Schülern mutierte schnell zu einer Bande komatös schnarchender Pubertiere.

Irgendwo in Belgien, während Ingo der Busfahrer seine vorgeschriebene 15-Minuten-Pause nutzte, um seinen Koffeinpegel aufrechtzuerhalten, war der Moment gekommen, um Danke zu sagen. Weil wir in Paris keine Dankeskarte finden konnten, die groß genug war, so dass wir alle darauf unterschreiben konnten, haben wir uns für eine Ente entschieden. Wir mussten nicht mal in einen Zoo einbrechen! Da Frau Kalus offensichtlich einen Quietscheentchen-Fetisch hat, entschlossen wir uns, ihr das größte, kitschigste, pinkeste Quietscheentchen der Welt zu überreichen. Sie war bestimmt überwältigt.

Um 21.30 Uhr war die Reise schon zu Ende. Zu Hause erwartete uns eine warme Mahlzeit, eine lange, heiße Dusche und unser eigenes, nicht quietschendes Bett.

Und das war’s! Mal sehen, ob die Parisfahrt 2021 unsere abgefahrene Woche toppen kann!